Lesung mit Tim Krohn



Tim Krohn ist 1965 in Nordrhein-Westfalen geboren, wuchs ab seinem zweiten Lebensjahr in der Schweiz im Glarnerland auf und wohnte danach gut zwanzig Jahre lang in Zürich, in einer sehr liebenswerten Genossenschaft. Inzwischen lebt er mit Frau und Kindern in Santa Maria Val Müstair. Er ist freier Schriftsteller und zählt zu den vielseitigsten und experimentierfreudigsten Autoren der Schweizer Gegenwartsliteratur. Er gewann unter anderem das Berliner Open Mike, den Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis, den Preis der Schweizerischen Schillerstiftung und den Kulturpreis des Kantons Glarus.

Zur Zeit arbeitet Tim Krohn an einer Romanserie über menschliche Regungen. Damit eröffnet der Autor eine gross angelegte literarische Erkundung aller Gefühle, Charakterzüge und Abgründe des Menschen. Das Ganze spielt in einer Genossenschaftssiedlung im Zürcher Kreis 5. 2017 sind die ersten beiden Bände „Herr Brechbühl sucht eine Katze“ und „Erich Wyss übt den freien Fall“ erschienen.

Felix Münger, Redaktor für Literatur und Zeitfragen bei SRF 1 schreibt:

Die ersten zwei Bände der Enzyklopädie packen von der ersten Seite an. Zum einen liegt dies an der für Krohn typischen unaufgeregten und präzisen Art des Erzählens, wie er sie bereits in seinen weit herum beachteten Romanen wie «Quatemberkinder» oder «Vrenelis Gärtli» gezeigt hat.

Zum anderen überzeugen die Romane vor allem durch das einfache und einleuchtende Setting: Er spielt in einem Zürcher Genossenschaftsbau mit insgesamt sechs Wohnungen. Sie bilden die Kulisse für die Geschichten. Krohn hat selbst während Jahren in einer Zürcher Genossenschaft gewohnt. Er kann also beim Schreiben auf eigene Erfahrungen zurückgreifen. Zudem bietet dieser Rahmen dem Autor die für die Enzyklopädie unabdingbare Möglichkeit, immer weiter schreiben zu können.

Einmal listig, einmal öde

In Band eins fabuliert Krohn virtuos über Regungen und Empfindungen wie «List», «Milde», «Ödnis», «Kränkung» oder «Umsicht». Je nachdem spielt die entsprechende Geschichte in einer anderen Wohnung des Genossenschaftsbaus.
Einmal in derjenigen des pensionierten Trämlers Hubert Brechbühl, der darunter leidet, nicht mehr gebraucht zu werden. Dann in der Wohnung der alleinerziehenden Mutter Julia Sommer, der das Zerrissensein zwischen Beruf und Familie zu schaffen macht.

Oder dann beim betagten Ehepaar Wyss, dem die Gebrechen des Alters zusetzen. Oder in der Wohnung von Pit und Petzi, einem jungen Paar, das sich überaus häufig am Geschlechtsverkehr erfreut, und dies lautstark – ganz zum Ärger der Nachbarschaft.

 

 

 

 

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